Eine neue Form der Sozialen Medien erobert seit letztem Wochenende die deutschen App Charts. Clubhouse bietet durch die Beschränkung auf Live-Audio-Inhalte in offenen oder geschlossenen Gesprächsräumen, sogenannten rooms, eine neue Form der Kommunikation. User hören den Talks einfach zu, oder heben virtuell die Hand, um sich am Gespräch zu beteiligen. Ausgewählte Moderatoren können diese Beiträge annehmen oder ablehnen. Bei teilweise vierstelligen Followerzahlen einzelner Räume erscheint dies als sinnvolles Mittel, um die Interaktionsrate auf ein handliches Maß zu begrenzen. Promis wie Showmaster Joko Winterscheidt oder FDP-Spitze Christian Lindner nutzen die App der US-Firma Alpha Exploration bereits und befeuern den Hype. Dabei ist Clubhouse nicht auf allen Telekommunikationsgeräten verfügbar. Doch was steckt wirklich dahinter und warum gerade jetzt, obwohl die App bereits seit Frühjahr 2020 verfügbar ist?

Durchbruch dank dem Doppelgänger Tech Talk

Clubhouse ist aktuell nur für iOS betriebene Geräte verfügbar und Zutritt bekommt nur, wer eine Einladung erhalten hat. Da jeder neue User nur zwei seiner Telefonkontakte einladen kann, ist der Zugang stark begrenzt. Das FOMO-Phänomen gehört zu den Konsequenzen der künstlichen Verknappung. „Fear of missing out“ beschreibt die zwanghafte Sorge etwas zu versäumen und begünstigt damit den Hype, der sich in den USA bereits kurz nach Release entwickelte. Nach Deutschland benötigte die App stattdessen mehrere Monate. Die Podcaster Philipp Glöckler und Philipp Klöckner, die sich aufgrund ihrer ähnlichen Namen als Doppelgänger bezeichnen, berichteten bereits Anfang Januar als eine der ersten über Clubhouse. Außerdem eröffneten sie mittels Telegram-Gruppen einer breiteren Masse den Zugang zur neuen Social-App und entwickelten eine Strategie, um möglichst viele Leute einzuschleusen.

Steigerung der Followerzahl durch Community-Building

In ihrem Tech Talk sinnierten die beiden über die Möglichkeit, einer breiten Community den Zugang zu Clubhouse zu ermöglichen. Daraus entstanden wachsende Chat-Gruppen um die heiß begehrten Invites intern zu teilen. Die Vervielfachung der Followerzahl und eine steigende Interaktionsrate waren die Konsequenzen des strategischen Wachstums dieser Gruppen. Allein durch die neue Community erlangte bereits eine vierstellige Personengruppe Zugang zur App. Milliarden User wie Facebook oder Instagram kann Clubhouse jedoch vorerst nicht erreichen.

Umfangreiche Themenvielfalt in verschiedensten Bereichen

Das einzigartige Konzept erweckte anfangs vor allem in der Marketingbranche Aufsehen. Den neuen Kommunikationskanal nutzten Online-Marketer zum Austausch über neue Kampagnen. Doch darüber hinaus existieren mittlerweile auch Gesprächsräume zu einer Vielzahl verschiedenster Themen, beispielsweise zu politischen Kampagnen oder sportlichen Ereignissen. Aufgrund der Themenvielfalt fragt die App zwecks der Übersichtlichkeit die Interessen der User ab, um mittels Algorithmus relevante Rooms vorzuschlagen.

Hohes Potenzial aber ungewisse Zukunft

Trotz hohen Datenschutzbedenken bezüglich eines Algorithmus zur Erstellung von Schattenprofilen wird der Hype vorerst anhalten. Ob sich das Live-Audio-Konzept dauerhaft etablieren wird ist unklar. Dennoch wird Alpha Exploration mittlerweile mit über 100 Millionen US-Dollar bewertet. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Hype genutzt wird und Sprung in die Milliarden realistisch ist. Immerhin arbeitet das Unternehmen bereits an der verbesserten Zugänglichkeit, auch mit Android Telekommunikationsgeräten.